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4 Wochen ..und dann? Weglaufen gilt nicht

Autor: Nadia
Alter: 12
Genre: Horror und Jugendfrei
Aus der Sicht von: Linke
Kurzinhalt:"Die Jungs übernachten wegen eines Auftritts in einen Hotel. Es scheint alles ganz normal, doch in diesem Hotel ereignen sich merkwürdige Dinge. Als am nächsten Morgen dann der Zimmernachbar von Jan und Juri tot aufgefunden wird, nimmt die Katastrophe ihren Lauf."

   

                          

Prolog

Laut quietschend hielt der Zug am Bahngleis. Timo und die anderen hielten sich schon bereit um einzusteigen, ihre Taschen und Rucksäcke hatten sie schon in den Händen. Ich beobachtete noch immer die alten Räder des Zuges, die langsam zu Stillstand kamen. Sie hatten sicher schon Hunderte von Kilometern hinter sich gebracht. Wie viele Menschen wohl schon mit ihnen von Stadt zu Stadt gereist waren? Wie viele sich wohl schon geärgert haben mussten, weil sie diese Räder bloß noch von hinten bestaunen konnten? Ob sie überhaupt noch sicher waren?
„Linke!“, drang Frankys Stimme an mein Ohr.
Ich sah auf. Meine Band, Nevada Tan, meine fünf besten Freunde, standen bereits im Zug und streckten ihre Köpfe aus der Tür heraus, um einen Blick auf mein, anscheinend total verträumt wirkendes, Gesicht zu erhaschen.
„Pennst du, Linke? Jetzt steig schon ein!“
Hecktisch ergriff ich mein Gepäck und stieg ein – gerade noch rechtzeitig. Ich hatte meine Taschen noch nicht richtig fallen lassen, als der Zug sich wieder in Bewegung setzte. Ich seufzte erleichtert. Juri schüttelte grinsend den Kopf. Wortlos nickte Timo in ein freies Abteil. Wir begaben uns mitsamt unserem Gepäck auf die Plätze.
David, Jan, Franky und ich verstauten die Taschen über unseren Sitzen auf die dafür vorgesehenen Regale. Timo schloss die Glastüren unseres Abteils, während Juri es sich schon gemütlich gemacht hatte.
„Fauler Sack...“, murmelte David leicht grinsend und setzte sich neben ihn. Jan nahm den anderen Platz, sodass Juri in der Mitte saß. Im gegenüber nahm Timo Platz, David links von ihm und ich am Fenster.
Der Zug wurde schneller, bald raste er schon wieder durch die Dunkelheit des frühen Morgens. Es war ziemlich genau 3 Uhr. Die Sonne hatte sich bisher noch nicht blicken lassen, im Zug saßen nur wir sechs. Ansonsten war er vollkommen leer. Fast schon eine gruselige Atmosphäre lag über dem Waggong – das hätte ich in diesem Moment gedacht, wenn ich nicht so unendlich müde gewesen wäre. Immerhin hatte ich bloß vier Stunden geschlafen. Mehr war nicht drin gewesen. Dieser Alptraum hatte mich mal wieder vom Schlafen abgehalten. Sobald ich auch nur die Augen schloss und mich ein wenig entspannte, begannen die Bilder wirr vor meinen Augen zu flackern. Wirklich relaxen konnte ich also nicht. Dabei hatten wir heute einen total wichtigen Gig! Wenn wir den vermasseln würden, wer weiß, ob dann wirklich etwas aus unserer Karriere werden würde!
Ich blickte schweigend aus dem Fenster und beobachtete die Bäume die wie wild an uns vorbeirasten. Es begann zu nieseln.
David gähnte und streckte sich müde. „Boah, irgendwie konnte ich die Nacht kaum schlafen.“
„Mir geht’s genauso, hab fast kein Auge zubekommen.“, stimmte Franky zu.
Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, wie auch die anderen zustimmend nickten.
„Wie’s aussieht fehlt dir auch ne Mütze Schlaf.“, sagte Timo und haute mir seinen Ellenbogen leicht in die Seite.
„Hm-mh.“, machte ich bloß, auf große Worte hatte ich jetzt keine Lust.
„Der ist heute ja gut drauf.“, hörte ich Juri murmeln. Die anderen ließen seine Bemerkung unkommentiert.
„Meint ihr, die Leute dort wissen überhaupt wer wir sind?“, lachte Jan.
„Natürlich! Es gibt sicher Menschen, die auch wegen uns gekommen sind.“, erklärte Timo, wie immer selbstbewusst. Selbstzweifel?! Das Wort kannte er gar nicht!
Ich lehnte meinen Kopf gegen die kühle Fensterscheibe. Ich musste unbedingt noch etwas schlafen, sonst würde ich nachher auf der Bühne womöglich noch umkippen...!

Part1: Der Traum

Ein heller Schrei zerriss die Luft. Ich zuckte zusammen.
„Woher kam das?“, hörte ich hinter mir eine verschwommene Stimme fragen. Es war David.
„Keine Ahnung, ich glaube“ –Moment mal; Hatte ich das gerade gesagt?! „es kam von unten.“ –Es war meine Stimme. Doch ich konnte sie nicht kontrollieren.
Mittlerweile hatte ich mich umgedreht und sah in Davids angsterfülltes Gesicht.
„Wo sind Franky und Timo?“, wisperte er und starrte mich weiterhin an.
Wo Jan und Juri waren wusste er wohl. Nach einiger Zeit zuckte ich mit den Achsen.
„Los, komm mit!“, zischte David, ergriff mich am Arm und zog mich zur Tür hinaus.
Wir standen auf einem langen dunklen Korridor. Draußen donnerte es heftig. David blickte aus dem Fenster am Ende des Flurs, vor dem ein hoher Baum tobte. Wieder grölte es und ein Blitz erhellte die Nacht. Ich sah in Davids Gesicht und erkannte, dass er Angst hatte.
„Gehen wir runter nachsehen.“, flüsterte er.
David wandte seinen Blick endlich vom Fenster ab und drehte sich um. Er hastete zur Treppe und rannte die Stufen hinab. Ich blieb stehen. Meine Beine gehorchten mir einfach nicht.
„Linke!“, rief David nach mir. „Linke! Los, komm endlich! Linke!“
Die Stimme halte in meinen Ohren, doch ich konnte mich nicht bewegen. Plötzlich schlug mir irgendetwas gegen die Schulter. Ich wirbelte blitzschnell herum und - saß wieder auf meinem Platz im Zug. Schwer atmend starrte ich David in die Augen, der seine Hand schnell wieder von meiner Schulter zog.
„Alles in Ordnung?“, fragte Juri und schaute über Davids Schulter zu mir herunter.
Erst jetzt viel mir auf, dass ich der Einzige war, der noch auf seinem Platz saß. Die anderen hielten ihre Taschen schon wieder bereit um auszusteigen. Tatsächlich sah man, wenn man einen Blick aus dem Fenster warf, den Bahnhof näher kommen. Wir waren also da. Ich sah wieder zu den anderen hoch.
„Kommst du jetzt, oder willst du noch weiterfahren?“, fragte Jan und nahm meine Tasche von dem Regal über mir. Noch immer etwas angeschlagen stand ich auf und nahm mein Gepäck entgegen. Der Zug war inzwischen stehen geblieben.

~~~~~~~~

Der Van fuhr vor. Das Hotel in dem wir übernachten sollten wirkte unter dem heftigen Regen etwas verlassen und trostlos. Das schlechte Wetter erinnerte mich ohnehin an meinen Traum. Jede Nacht das gleiche – heute war es anders. Diese Szene hatte ich noch nie gesehen. Irgendeine Verbindung gab es aber trotzdem. Dieses Haus... Der Flur... Irgendetwas stimmte nicht.
Der Motor verstummte und wir sechs stiegen aus dem Auto.
„Ist ja wie im Horrorfilm.“, kommentierte Timo murmelnd, als es laut donnerte und ein Blitz das alte Gebäude in ein helles Licht tauchte.
Ich schluckte hart. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mit diesem Hotel etwas nicht stimmte.

Part2: Linke und der Aufzug

„Hier, Zimmer 26!“, sagte der Angestellte des Hotels lustlos und warf mir von seinem Platz hinter dem Tresen einen Schlüssel mit einem großen Anhänger zu. Hastig ließ ich meine Tasche fallen und nahm die Hände nach oben, um den Schlüssel zu fangen. Vergeblich, er landete klirrend neben mir auf dem Boden.
Wortlos bückte ich mich und hob ihn auf. Ohne hinzusehen, wusste ich, dass die anderen sich innerlich schlapp lachten. Ich konnte noch nie gut fangen.
Auf dem riesigen Anhänger stand die Zahl „26“. Meine und Davids Zimmernummer. – David und ich?! Das kam mir irgendwie bekannt vor. Aber natürlich! Meine Träume. Die einzigen Personen, die darin jedes Mal auftauchten, waren wir beide...
Sowohl Timo und Franky, als auch Juri und Jan, die auch jeweils zu zwei ein Doppelzimmer bewohnten, hatten inzwischen ihre Schlüssel erhalten. Wir machten uns auf den Weg zum Lift. Unser Gepäck mussten wir selbstverständlich selbst schleppen.
„Das alles sieht wirklich nach totalem Luxus aus, Leute.“, kommentierte Timo die Muas, die gerade vor seinen Füßen vor lief.
Juri verzog angewidert das Gesicht. Ich drückte den Knopf, der den Aufzug zu uns ins Erdgeschoss bringen sollte. Aus den oberen Etagen war lautes Ächzen und Quietschen vernehmbar.
„Was für eine Bruchbude.“, murrte Franky und richtete seinen Blick auf die Anzeigetafel, nach der die Kabine noch zwei Stockwerke hinter sich zu bringen hatte. Wieder ertönte ein viel zu lautes Stöhnen.
„Wollen wir nicht lieber die Treppen nehmen?“, fragte ich etwas beunruhigt. Dass wir mit diesem ... Ding ... auch noch in solch einem Loch, in dem uns wahrscheinlich niemals jemand finden würde, stecken bleiben, hätte uns wohl gerade noch gefehlt.
„Hast du etwa Angst, Linke?“
Ich drehte mich empört u Jan und blickte ihn böse an. – Nun ja, zumindest ist das meine Absicht gewesen. Doch ich war wohl kläglich gescheitert, denn er grinste bloß noch breiter.
„So ein Quatsch.“, versuchte ich es deshalb mit Worten. „Ich denke nur, dass -“
„Zu spät.“, unterbrach David mich mit gespielt fröhlicher Stimme. „Das Teil ist angekommen.“
Noch bevor er ausgesprochen hatte, öffnete sich die, ziemlich verbeulte, Metalltür des Lifts. Als es wieder quietschte, biss ich mir nervös auf die Unterlippe. Wir sollten tatsächlich mit dieser Klapperkiste bis zum dritten Stock fahren?! Nie und nimmer! Da würde ich nicht mitmachen.
Noch während ich in Gedanken die Diskussion, weshalb ich nicht mit dem Aufzug fuhr, und die anderen es auch nicht tun sollten, durchging, schupste Timo mich unerwartet von hinten in die spärlich beleuchtete Kabine. Meine Tasche war er hinterher.
„Hey, hört mal, das Ding sieht wirklich kaputt aus. Wir sollten -“
„Ruhe!“, herrschte Juri mich gelangweilt an.
Tatsächlich verstummte ich. Die anderen folgten in den Innenraum des Lifts.
Auf dem Knopfbrett stand, das die Höchstbelastung bei 10 Personen lag – ich hatte das Gefühl, allein schon zwei waren zu viel. Ich warf mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend einen letzten Blick hinaus auf den Flur, dann schlossen sich die Türen träge.
David schnitt eine alberne Grimasse, die Timo mit „die bösen Geister des Aufzugs werden dich holen, Linke“, kommentierte. Die anderen drei grinsten mich ebenfalls süffisant an.
Ich seufzte, wie ich es heute schone etliche Mal getan hatte, und wandte meinen Blick ab.

Part3: Von kaputten Schlössern und Geisterhänden

Ein letztes Mal versuchte ich den Schlüssel in dem alten Schloss unserer Zimmertür herumzudrehen. Und – wie könnte es auch anders sein – es hatte nicht geklappt. Knurrend zog ich an dem Schlüsselbund; Na toll, er steckte im Türschloss fest.
„So ein Mist!“, murrte ich und zerrte ein weiteres Mal, jetzt allerdings fester.
Und tatsächlich. Ich hielt den Bund endlich wieder ohne die Tür in der Hand. Tja, man sollte die Macht der rohen Gewalt niemals unterschätzen. Ich reichte den Schlüssel David, der langsam aber sicher ungeduldig wurde.
Mi den Worten „Versuch du’s mal, ich krieg’s nicht auf“ ließ ich das klirrende Metall inklusive Anhänger, der glücklicherweise eins der Dinge war, die in diesem Hotel noch heile waren, in Davids offene Hände fallen. Er schnappte zu – David hatte natürlich viel bessere Reflexe als ich – und trat an mir vorbei zur Zimmertür, auf der etwa mittig ein kleines Schildchen mit den Ziffern „2 6“ angebracht war. Schweigend steckte er den Schlüssel mit dem auffälligen Zackenmuster ins Schloss. Nach einigen Versuchen, die ebenso kläglich scheiterten wie meine, musste er sich wohl eingestehen, dass ich nicht bloß zu unfähig war, eine gewöhnliches Tür aufzuschließen, sondern dieses verrostete Etwas, auch Türschloss genannt, wirklich nicht mehr in Ordnung war. Allerdings hatte der gute David sehr viel weniger Geduld als ich, holte aus und trat mit ganzer Kraft gegen die Tür. Ich zuckte zusammen, als es fast im selben Moment draußen donnerte.
„Verdammt.“, zischte David, wohlbedacht darauf, seine Beherrschung nicht zu verlieren.
Wieso geht diese blöde Tür nicht auf??“, fluchte er weiter und holte zu einem weiteren Schlag aus. Seine Hand schnellte auf das alte Holz zu, die Tür schwang auf – noch bevor er sie überhaupt berührt hatte. Mit, vor Verwirrung weit aufgerissenen Augen, starrte er in den dunklen Raum. Ich sah in diesem Moment wohl keineswegs besser aus.
„Na also...“, sagte ich und versuchte meine wacklige Stimme unter Kontrolle zu bringen.
Zum Teil schien es mir, zu meiner eigenen Überraschung, sogar gelungen zu sein, denn David sah mich mit einem undefinierbaren Ausdruck im Gesicht, der zwischen Misstrauen und Verwirrung schwebte, an. Wahrscheinlich wusste er noch nicht genau, was er von all dem, meiner Selbstsicherheit und der Tür, die sich wie von Geisterhand geöffnet hatte, halten sollte.
Während er weiterhin unschlüssig im Flur herum stand, packte ich schon unser Gepäck und nahm es in unser Zimmer mit. Auf der Türschwelle angekommen tastete ich zunächst mal im stockfinsteren Raum nach dem Lichtschalter. Ich gab ein überraschtes Geräusch von mir, als ich fühlte, dass man hier das Licht tatsächlich noch andrehen musste. Also drehte ich. Langsam und flackernd wurde der Raum von der kleinen Lampe an der Decke beleuchtet. Wow. Das Licht funktionierte also. Na ja, mehr oder weniger. Das Flackern störte mit der Zeit, aber sonst...
Mittlerweile hatte David sich wieder gefangen und war mir unbemerkt in den Raum gefolgt. Dass er mich dann plötzlich an der Schulter packte, hatte ich also nicht erwartet. Das blieb David natürlich nicht verborgen. Er begann leise zu kichern, als ich einen spitzen Schrei ausstieß. Das erneute Donnern von draußen lenkte seine Aufmerksamkeit dann zum Glück ab. Er schritt zu unserem Fenster, in dem schon einige Risse zu erkennen waren, während ich die Zimmertür schloss – hoffentlich würde ich das später nicht bereuen – und unsere Taschen auf einem der beiden harten Betten abstellte.
„Ganz schönes Sauwetter, hm?“, sagte David ohne seinen Blick von der verdreckten Fensterscheibe abzuwenden.
Ich nickte, auch wenn ich wusste, dass er es nicht sehen würde.
„Hoffen wir mal, bis heute Abend hat sich das gelegt.“, redete ich weiter, als David ruhig blieb.
Jetzt war er es, der nickte.
Wenige Sekunden verstrichen, als plötzlich sein Kopf in meine Richtung schnellte. Er musterte mich stumm, dann sah er auf seine Armbanduhr.
„Wir sollten uns mal auf die Suche nach der Kantine machen. Es ist gleich zwei. Wir wollten uns doch unten wieder mit den anderen treffen, bevor wir wieder losfahren.“
Ich hielt mit dem Entpacken meiner Tasche inne.
„Stimmt.“, murmelte ich.
Eigentlich hatte ich gar keine Lust. Bald würden wir uns auf den Weg zur Konzerthalle machen. Vorher wollte ich mich eigentlich noch etwas allein sein.
„Hör mal...“, begann ich zaghaft zu erklären. Mein Blick war noch immerstarr auf die abgenutzt wirkende Matratze gerichtet, auf der meine Tasche lag. Würde ich David jetzt in die Augen sehen, hätte ich wohl doch nicht das gesagt, auf was ich eigentlich hinaus wollte.
„Ich bin irgendwie total geschafft. Wenn’s dir nichts ausmacht, kannst du ja alleine zu den anderen gehen. Vor unserem Auftritt heute Abend will ich auf jeden Fall ausgeruht sein.“
Schweigen.
Glaubte er mir? Oder ahnte er schon, dass etwas an der Sache faul war? Mist, ich war ein schlechter Lügner! – Wobei es ja eigentlich gar keine Lüge war. Na ja, indirekt, vielleicht. Ich wollte mich wirklich etwas ausruhen. Doch auf die wirren Bilder meines Traums hatte ich keine Lust. Also würde ich nicht schlafen...
Nach einer halben Ewigkeit, so schien es mir, nickte David endlich.
„Ich werd’ den anderen Bescheid sagen.“, meinte er und schritt zur Tür.
„Bis nachher.“
Die Tür donnerte hinter ihm zu. - Und ich stand allein im Raum.